Im Detail
Funktional und fachgerecht
bei der Vertikalabdichtung
Nachträgliche Abdichtungen an erdberührten Bauteilen
Text: Dr. Michael Balak | Foto (Header): © twixx – stock.adobe.com
Möglichkeiten bei der Abdichtung von vertikalen Flächen gibt es zuhauf. Diese sind immens wichtig für die langfristige Schadensfreiheit des Bauteils: Sie verhindern, dass Wasser aus dem umliegenden Boden in das Gebäude Eintritt erhält. Der folgende Beitrag gibt einen groben Überblick über die möglichen Systeme und zeigt, wie ein fachgerechtes Vorgehen bei der Vertikalabdichtung gelingt.
Auszug aus:
Der SanierungsVorsprung
Ausgabe April / Mai 2026
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Die Aufgabe von Vertikalabdichtungen besteht darin, gegenüber dem anstehenden Boden oder im Bereich von Abdichtungsversprüngen das Eindringen von Wasser zu verhindern. Sie sind daher in folgenden Fällen erforderlich:
- seitliches Eindringen von Bodenwasser in das Mauerwerk
- Putzschäden und Feuchtigkeitsbrücken im Sockelbereich
- feuchtes Mauerwerk kaschieren und Wassereintritte in Kellerräume
- Hochzüge im Innenbereich zur Verbindung von Abdichtungen
Außen liegende Abdichtungen
Bei Sanierungsmaßnahmen ist die Applikation einer Vertikalabdichtung an der Wandaußenseite – verbunden mit einer notwendigen Freilegung des betroffenen Wandbereichs, der Säuberung der Wandflächen und der entsprechenden Untergrundvorbereitung – sowie ein Schutz der Abdichtung erforderlich. Diese Maßnahmen sind nicht nur mit einem hohen Aufwand, d. h. auch hohen Kosten, verbunden, sie sind im innerstädtischen Bereich auch nicht immer durchführbar, da eine um das Gebäude laufende Freilegung des Kellers durch Nachbarobjekte behindert wird und im straßenseitigen Gehweg zahlreiche Einbauten verlaufen. Bei einer hochwertigen Nutzung des Kellers ist der Einbau einer Vertikalabdichtung unumgänglich; die objektspezifischen Gegebenheiten legen dann die Art der Abdichtungsausbildung fest. Grundsätzlich erfolgt die Auswahl des Abdichtungssystems nach der Art der Feuchtigkeitsbeanspruchung. In Abhängigkeit von den Feuchtigkeitslastfällen sind die Anzahl der Abdichtungslagen und die Materialien festzulegen:
- Abdichtung gegen Bodenfeuchtigkeit
- Abdichtung gegen nicht drückendes Wasser
- Abdichtung gegen drückendes Wasser
Innen liegende Abdichtungen
Bei innen liegenden Vertikalabdichtungen werden meist Dichtschlämmen und Sperrmörtel, alternativ Bitumenabdichtungen verwendet. Diese Maßnahmen dienen nur zur Kaschierung von feuchtem Kellermauerwerk. Eine Austrocknung des Mauerwerks wird dadurch nicht ermöglicht, seitlich eindringendes Bodenwasser dringt weiterhin ungehindert in das Mauerwerk ein. Besonderes Augenmerk ist auf das Erdgeschossmauerwerk zu legen, da meist durch das Innenabdichten des Kellermauerwerks der Feuchtigkeitshorizont im darüberliegenden Erdgeschossmauerwerk ansteigt. Problematisch können für Innenabdichtungen mittlere bis hohe Schadsalzkonzentrationen im Mauerwerk werden, da durch die Schadsalzmechanismen der Haftverbund zum Untergrund mit der Zeit reduziert wird und ein Ablösen der Dichtschlämmen oder Sperrmörtel die Folge ist. In diesem Fall empfiehlt sich die Ausführung einer bituminösen Abdichtung auf einem Glattstrich mit einer zusätzlichen Wandrücklage als Abdichtungsschutz (z. B. „Grüne Wanne“). Unabhängig davon, ob es sich um außen oder innen liegende Abdichtungen handelt, sind vor der Anbringung der Abdichtung Vorarbeiten zur Untergrundbearbeitung erforderlich. Diese umfassen, abhängig vom Abdichtungssystem und dem Zustand des Mauerwerks,
- Entfernen des Altputzes,
- Auskratzen und Neuverfüllen der Fugen,
- Abschlagen von vorstehenden Teilen,
- Ersatz von Materialien mit zu geringer Festigkeit,
- Maßnahmen zur Reduktion der
bauschädlichen Salze, - Abbürsten und Reinigung der
Wandflächen, - Anbringung eines Vorspritzers und eines Ausgleichsputzes (Glattstrich) sowie
- Aufbringung eines Voranstrichs.
Bituminöse Abdichtungen
Bituminöse Abdichtungen können als Bahnenabdichtungen mit Bitumen oder kunststoffmodifiziertem Bitumen und unterschiedlichen Einlagen zur Verstärkung ausgebildet sein. Es sind folgende Ausbildungen möglich:
- Bitumen-Abdichtungsbahnen mit Glasvlieseinlage (GV 25, GV 35 flämmbar, GV 45 flämmbar)
- Bitumen-Abdichtungsbahnen mit Glasvlieseinlage und einseitiger Kunststoffkaschierung (GV 23K, GV 43K flämmbar)
- Bitumen-Abdichtungsbahnen mit Glasgewebeeinlage (GG 36, GG 50 flämmbar)
- Bitumen-Abdichtungsbahnen mit Kunststoffeinlage (Synthesefasern oder Kunststofffolien)
- Bitumen-Abdichtungsbahnen mit Metallbändern (Aluminiumband, Kupferband)
- Polymerbitumenbahnen mit Glasgewebe- oder Kunststoffvlieseinlage Alternativ sind auch Spachtel- und Spritzabdichtungen am Markt, die in mehreren Lagen aus meist kunststoffmodifiziertem Bitumen aufgetragen werden.
- Spritz- und Spachtelabdichtungen – kunststoffmodifizierte Bitumendickbeschichtungen (pastöse, spachteloder spritzfähige Massen), ein- oder zweikomponentig
Innen liegendes Abdichtungsverbundsystem erdberührter Bauteile
Das innen liegende Abdichtungsverbundsystem (IAVS) stellt ein Verbindungselement zwischen einer Flächenabdichtung im Fußbodenbereich des Kellers und einer entsprechend über Gelände liegenden Abdichtung gegen aufsteigende Feuchtigkeit der erdberührten Außenwand dar.
Es gibt verschiedene Arten des IAVS
- „Grüne Wanne“ – Spritzbitumen und bewehrte Zementspritzmörtelschale
- Glasschaumplatten auf Kaltbitumenabdichtung
- Faserzementplatten auf Schaummatten und Acrylatgelverfüllung (System Fa. Rascor)
Ein IAVS besteht grundsätzlich aus einer hochelastischen, bituminösen, innen liegenden Abdichtung und einer ins Bestandsbauteil rückverankerten Tragschale aus Nassspritzmörtel, Glasschaumplatten oder Faserzementplatten mit jeweils entsprechenden Mindestschichtdicken.
Somit können bisher nicht abgedichtete Objekte nachträglich mit einer funktionierenden Innenabdichtung einer hochwertigen Nutzung zugeführt werden. Das Zusammenwirken der Flächenabdichtung im Keller gemäß ÖNORM B 3692 und der Abdichtung gegen aufsteigende Feuchtigkeit gemäß ÖNORM B 3355 ist für die Gesamtplanung zu beachten.
Kunststoffabdichtungen
Kunststoffabdichtungen sind Bahnenabdichtungen, die entweder verschweißt (Quell-, Warmgas-, Heiz elementschweißen) oder verklebt werden:
- weich gemachtes oder weichmacherhaltiges Polyvinylchlorid (PVC-P) mit Verstärkung aus Polyestergewebe oder Vlieseinlage, bitumenbeständig
- Polyisobutylen (PIB)
- Ethylencopolymerisat-Bitumen (ECB)
Die Montage am Bauwerk erfolgt durch geeignete Verklebung mit heiß oder kalt zu verarbeitender Klebemasse, die auf die Abdichtungsbahn abgestimmt sein muss, oder als lose Verlegung mit mechanischen Befestigungsmitteln, die auf Dauer weder zu mechanischen noch zu chemischen Schädigungen der Abdichtungsbahn führen dürfen. Das Haupteinsatzgebiet von Kunststoffabdichtungen liegt aber in der Abdichtung gegen Niederschlagswässer oberhalb des anschließenden Geländes.
Dichtschlämmen und Sperrmörtel
Dichtschlämmen und Sperrmörtel sollten in erdberührten Wandbereichen aufgrund der Tatsache, dass es sich um ein starres System handelt und der daraus resultierenden Empfindlichkeit gegen nachträglich auftretende Risse und Bewegungen aus dem Untergrund, nur an setzungsunempfindlichen Wänden angewendet werden.
Die Verwendung der Dichtschlämmen und Sperrmörtel ist auch im Sockelbereich unterhalb der nachträglich eingebrachten Horizontalabdichtung möglich, wobei im Anschlussbereich an eine bituminöse, metallische oder Kunststoffhorizontalabdichtung Verstärkungsmaßnahmen (z. B. Gewebeeinlagen) durchgeführt werden sollten. Besonders wichtig ist vor Aufbringung von Vertikalabdichtungen die Untergrundvorbereitung (Glätten des Untergrunds, Aufbringen von Haftvermittlern etc.). Undichtheiten von Dichtschlämmen und Sperrmörtel entstehen meist infolge der mangelhaften Verarbeitung oder eines schlechten Untergrunds.
Grundsätzlich ist darauf hinzuweisen, dass es durch die Schadsalzmechanismen zum Ablösen der Dichtschlämmen oder Sperrmörtel kommen kann. Aus diesem Grund sollten Dichtschlämmen und Sperrmörtel nur an jenen erdberührten Wandflächen aufgebracht werden, die während der Objektnutzung zugängig sind, und so ein Nacharbeiten möglich ist.
Flächeninjektionen
Die Bedeutung von Vertikalabdichtungen in Form von Flächeninjektionen nimmt in städtischen Gebieten immer mehr zu. Der Grund dafür liegt darin, dass durch die Injektionsabdichtungen das Freilegen von Kelleraußenwänden nicht mehr erforderlich ist und so Leitungsbeschädigungen bzw. das mühsame Freilegen von Leitungen im – an das Kellermauerwerk anliegenden – Erdreich entfallen. Ein weiterer Vorteil liegt in der Möglichkeit der Vertikalabdichtung von Feuermauern bei geschlossener oder gekuppelter Bauweise und auch von hinterfüllten Kellerinnenwänden bei Teilunterkellerung.
Nachdem eine Vertikalabdichtung durch Flächeninjektion keine absolut dichte Abdichtung darstellt, ist eine Anwendung nur bei Bodenfeuchtigkeit und nicht drückendem Wasser möglich. In Verbindung mit der Flächeninjektion sollten immer zwei Horizontalabdichtungen im Mauerwerk, eine im Fußbereich und eine am oberen Abschluss der Flächeninjektion, situiert werden. Bei der Vertikalabdichtung durch Flächeninjektion kann zwischen zwei Systemen der Abdichtungslage unterschieden werden, die Situierung einer zusätzlichen Vertikalabdichtung für den Sockelbereich ist im Einzelfall zu entscheiden:
- Injektionsmittel zwischen Wandoberfläche und anstehendem Boden
- Injektionsmittel wird direkt in die Wand injiziert
Als Injektionsmittel für eine Injektion außerhalb des Wandquerschnitts werden entweder anorganische Injektionsmittel (z. B. silikatmodifizierte Zementsuspensionen) oder organische Injektionsmittel (z. B. PU- oder Epoxid-Harze, PU-Gele etc.), die zum Teil quellende oder wasserbindende Eigenschaften haben, verwendet. Für eine Injektion innerhalb des Wandquerschnitts finden baustoffumhüllende (PU- und/oder Epoxid-Harze) oder baustoff-hydrophobierende Injektionsmittel (Silikonmikroemulsion, Silane, Siloxane etc.) Anwendung.
Im Rahmen eines Forschungsprojekts über die Wirksamkeit organischer Injektionsmittel hinsichtlich Verfestigung und Horizontalabdichtung, welches seitens des Forschungsförderungsfonds der gewerblichen Wirtschaft Österreichs gefördert und vom Autor betreut wurde, konnte festgestellt werden, dass die Wirksamkeit organischer, also baustoffumhüllender Injektionsmittel, gegen kapillar aufsteigende Feuchtigkeit und somit gegen seitlich eindringende Bodenfeuchtigkeit einerseits vom Durchfeuchtungsgrad des Mauerwerks und andererseits vom Bohrlochraster abhängt. Manche Injektionsmittel benötigen einen sehr hohen Durchfeuchtungsgrad. Andere Injektionsmittel sind nur bis zu einem Durchfeuchtungsgrad bis zu 50 % ausreichend wirksam. Grundsätzlich gilt jedoch, dass Flächeninjektionen nicht bei drückendem Wasser erfolgreich angewendet werden können.
Die Dichtheit der Flächeninjektion gegen Bodenfeuchtigkeit und nicht drückendes Bodenwasser ist nur dann gegeben, wenn die Injektionsmittel fachgerecht verarbeitet und deren Einsatzgrenzen berücksichtigt werden. Es ist nicht ausreichend, eine injektionstechnische Ausrüstung zu erwerben und dann davon auszugehen, alle Voraussetzungen für eine erfolgreiche Injektionsdurchführung zu erfüllen. Viel Erfahrung auf diesem Gebiet ist erforderlich. Die Vertikalabdichtung durch Flächeninjektion stellt keine absolute Sperrschicht dar, ist jedoch bei fachgerechter Anwendung baupraktisch betrachtet ausreichend. In der Zeitplanung der Bauausführung sollte beachtet werden, dass aufgrund einer nicht gesicherten Verteilung des Injektionsmittels mehrere Injektionsdurchgänge erforderlich werden können. Der Anteil an Nachinjektionsflächen kann dabei bis zu 30 % betragen.
Zur Person
Baurat h.c. DI Dr. Michael Balak ist Geschäftsführer des Österreichischen Forschungsinstituts für Chemie & Technik (OFI) und Leiter der OFI Bauwerkserneuerung sowie allgemein beeideter und gerichtlich zertifizierter Sachverständiger. Er ist Zivilingenieur für das Bauwesen und als etablierter Sanierungsexperte seit mehr als 35 Jahren am OFI tätig.
Kontakt
Internet: www.ofi.at
E-Mail: michael.balak@ofi.at


